Clean Core oder warum ein sauberer Kern wichtig ist
Im Laufe der Zeit werden viele ERP-Landschaften durch benutzerdefinierten Code, undokumentierte Änderungen und schwer zu wartende Integrationen belastet. Dies schränkt die Flexibilität ein, verlangsamt Upgrades und erhöht die Gesamtbetriebskosten. Der Clean-Core-Ansatz begegnet diesen Herausforderungen, indem er die Verwendung von standardisierten, an Best Practices ausgerichteten Prozessen fördert und strategische Erweiterungen zur Differenzierung ermöglicht.
Die Prozessstandardisierung unterstützt unsere Kunden beim Übergang zur SAP Business Suite, einschließlich der Public Cloud. Sie ermöglicht es, die Systeme durch schnellere und effizientere Upgrades für die Private Cloud auf dem neuesten Stand zu halten, schnellere Innovationszyklen zu erreichen und die Einführung und Nutzung von KI zu vereinfachen. Der Schwerpunkt liegt auf der Schaffung resilienter Geschäftsprozesse, die durch nahtlose Integration, effiziente Abläufe und hohe Datenqualität unterstützt werden.
Durch die Einführung eines Clean-Core-Ansatzes können Kunden:
- Innovationszyklen beschleunigen
- Technische Altlasten minimieren
- Systemwartung und -upgrades vereinfachen
Anstatt die Agilität einzuschränken, sorgt Clean Core dafür, dass Erweiterungen auf die richtige Weise durchgeführt werden, wobei langfristige Stabilität, Skalierbarkeit und Innovationsbereitschaft im Vordergrund stehen
Die Weiterentwicklung des 3-Tier-Modells und die Einführung des Clean-Core-Level-Konzepts
SAP entwickelt seine Erweiterbarkeitsrichtlinien mit dem Clean-Core-Level-Konzept weiter, einem neuen Modell, das die Qualifikationskriterien vereinfachen und einen pragmatischeren Ansatz für die Verwaltung von benutzerdefiniertem Code in SAP Cloud ERP Private als Teil der Umstellung auf SAP Business Suite bieten soll. Durch die Weiterentwicklung des bisherigen 3-Schichten-Modells kategorisiert dieses neue Reifegradmodell Erweiterungen anhand ihrer architektonischen Integrität, ihrer Upgrade-Sicherheit und ihrer Übereinstimmung mit den Clean-Core-Prinzipien in vier verschiedene Stufen (A, B, C und D).
Dieser Ansatz ermöglicht eine detailliertere Bewertung der Qualität und Upgrade-Stabilität einer Erweiterung und geht über eine einfache binäre Klassifizierung in „clean” und „unclean” hinaus. Die zentrale Empfehlung bleibt eine „SAP BTP first”-Strategie, die auf die höchste Stufe abzielt, aber das neue Modell berücksichtigt auch die Realitäten komplexer Systemlandschaften und unterstützt Kunden dabei, ihre Clean-Core-Transformation individuell anzupassen. Das Grundprinzip bleibt unverändert: Entkopplung von Erweiterungen vom Standard-SAP-Code, um die Upgrade-Stabilität sicherzustellen.
Die vier Clean-Core-Stufen im Überblick
Jede Erweiterung wird anhand einer standardisierten Methodik bewertet, die sich danach richtet, wie sie aufgebaut ist, wie gut sie vom Kern entkoppelt ist und wie einfach sie aktualisiert oder gewartet werden kann.
Stufe A: Erweiterung mit SAP Build
Vollständig konforme Erweiterungen, die ausschließlich öffentlich verfügbare und stabile Schnittstellen nutzen, die durch formelle Stabilitätsverträge abgesichert sind.
- Side-by-Side: Auf SAP BTP aufgebaut unter Verwendung von Pro-Code- und Low-Code-Tools für die Anwendungsentwicklung und Prozessautomatisierung
- On-Stack: Innerhalb von SAP Cloud ERP Private unter Verwendung des ABAP-Cloud-Entwicklungsmodells mit öffentlich veröffentlichten APIs aufgebaut
Stufe B: Nutzung klassischer APIs
Nutzung klassischer APIs – Verwendung klassischer APIs und Technologien von SAP mit klar definierten, dokumentierten und im Allgemeinen upgrade-stabilen Schnittstellen.
Stufe C: Zugriff auf interne Objekte
Teilweise konforme Erweiterungen, die auf internen SAP-Objekten basieren und Flexibilität für Legacy-Szenarien bieten.
Um das Upgrade-Risiko zu verringern, stellt SAP das Änderungsprotokoll für SAP-Objekte zur Verfügung, damit inkompatible Änderungen frühzeitig erkannt und Upgrades proaktiv geplant werden können
Stufe D: Nicht empfohlene Erweiterungen
Nicht empfohlene Erweiterungen – Erweiterungen, die nicht als „sauber” gelten und explizit nicht empfohlene Objekte oder Techniken verwenden (z. B. Objekte, die im Cloudification Repository als „noAPI” gekennzeichnet sind, Änderungen an SAP-Objekten, direkter Schreibzugriff auf SAP-Tabellen oder implizite Erweiterungen). Diese stellen das höchste Risiko dar und verursachen erhebliche technische Altlasten.
Fazit: Clean Core ebnet den Weg zur strategischen Modernisierung
Das Clean-Core-Level-Konzept bietet konkrete Vorteile durch:
- Differenzierte Bewertung: Eine differenziertere, risikobasierte Bewertung des klassischen ABAP-Codes.
- Erhöhung der Transparenz: Klare Abgrenzung zwischen risikoarmen „klassischen APIs” und risikoreichen „nicht empfohlenen” Objekten.
- Ermöglichung eines pragmatischen Weges in die Zukunft: Unterstützung der Kunden bei der effektiveren Verwaltung ihrer bestehenden Codebasen und Priorisierung von Korrekturmaßnahmen, wobei der Schwerpunkt zunächst auf den risikoreichsten Erweiterungen (Level D) liegt.
Das Clean-Core-Level-Konzept ändert nichts am Endziel: dem Aufbau entkoppelter, upgrade-stabiler Erweiterungen, wobei Level A das Ideal darstellt. Stattdessen bietet es einen praktischeren und transparenteren Rahmen, um dieses Ziel zu erreichen. Es ermöglicht Unternehmen, fundierte Entscheidungen zu treffen, die spezifischen Risiken ihres benutzerdefinierten Codes zu verstehen und ihre Modernisierungsbemühungen strategisch zu planen. Durch die Priorisierung der Beseitigung von Erweiterungen der Stufe D und die Nutzung der größeren Transparenz in den Stufen B und C können Kunden technische Schulden reduzieren, zukünftige Upgrades vereinfachen und die langfristige Integrität und Agilität ihres SAP S/4HANA-Kernsystems erhalten.

Haben Sie Fragen?
Nehmen Sie Kontakt zu uns auf